18.05.2018
 
Die Bauarbeiten haben begonnen
 
Zudem läίt eine Entscheidung des Bundestages auf eine
dauerhafte Entlastung vom übermäßigen Lkw-Verkehr hoffen
 
 
Wie nicht zu übersehen, haben am 03. Mai diesen Jahres die Bauarbeiten an der B2 im Bereich der Berliner Chaussee begonnen. Zusätzliche Ampeln regeln den Verkehr auf dieser nun für längere Zeit einspurigen Fahrbahn. Hinzu kam eine - bereits bei den Bauarbeiten am Durchlass "Nasser Graben" praktizierte - Sperrung für Lkw's, ... mit Ausnahme des Lieferverkehrs.
 
 
Ob diese Begrenzung während der Bauarbeiten am "Nassen Graben" den Lkw-Verkehr tatsächlich spürbar eingeschränkt hat??? - Man konnte damals durchaus den Eindruck gewinnen, nicht wirklich!
 
Möglicherweise gibt es bei nicht wenigen Brummifahrern Unklarheiten darüber, was "Lieferverkehr" im Sinne der StVO ist. Schließlich liefern sie ja mit ihren Lastzügen tatsächlich Waren. Der Begriff "Lieferverkehr" im Sinne des oben abgebildeten Zusatzzeichens Nr. 1026-35 nach § 39 Abs. 3 StVO ist gesetzlich nicht definiert. Derartiges überläßt der "Gesetzgeber" gern mal den Gerichten. So interpretierte das Kammergericht Berlin den Begriff "Lieferverkehr" als
 
"stichwortartige Umschreibung des zur Führung und Aufrechterhaltung eines Geschäfts- oder Gewerbebetriebes erforderlichen, geschäftsmäßig – d.h. von Gewerbetreibenden und nicht von Privaten – durchgeführten Transports von Gegenständen, insbesondere Waren, von oder zu Gewerbetreibenden oder Kunden."
(vgl. KG Berlin VRS 62, 65; BVerwG, a.a.O.)
 
Und genau das machen ja die deutschen und ausländischen Brummis, wenn sie durch Treuenbrietzen fahren:
 
Lieferverkehr   (... z.B. von Polen nach Österreich).
 
Vielleicht hat sich wegen dieser fehlenden Definition in der StVO das hiesige Ordnungsamt bei der Durchsetzung der Verkehrsbeschränkung so diskret zurückgehalten. Diesen Eindruck konnte man zunimdest gewinnen, wenn man öfter an diesem Sperrschild vorbeikam und sah, wieviele Lkw an diesem Verkehrsschild vorbei in den gesperrten Verkehrsraum einfuhren. Oder haben Sie gesehen, dass damals auch nur ein einziger dieser Transit-Brummis von unseren Ordnungshütern wegen eines Verstoßes gegen das Durchfahrtverbot zur Kasse gebeten wurde?
 
Und wie ist es diesmal mit der Einhaltung des Durchfahrtverbotes für Lkw-Fahrten im Transit? Es bedurfte nur weniger Minuten Wartezeit mit der Kamera um einen Eindruck zu gewinnen und im Bild festzuhalten.   Aber sehen Sie selbst:
 

Bildvergrößerung mit Erläuterung durch Mausklick auf das gewünschte Bild
 
Das Ärgerliche daran:
Durch die eingerichteten Verkehrsampeln auf der Berliner Chaussee muß jeder dieser Lkw mehrfach anhalten, warten und wieder anfahren, was eine erheblich höhere Schadstoffbelastung der Anwohner bedeutet, als bei einer ungebremsten Durchfahrt.
Die etwas bessere Nachricht:
Man kann gegenwärtig den Eindruck gewinnen, dass die Baumaßnahmen an der B2 einen Teil der sonstigen Transit-Lkw abgeschreckt haben. Es scheinen deutlich weniger Lkw zu sein, als bisher gewohnt. Aber warum fahren diese Lkw überhaupt zeitaufwendig auf der B2 und nicht mit kürzerer Fahrzeit auf der parallel verlaufenden Autobahn A9?
 
Eine Überschlagsrechnung könnte aufklären:
Angenommen sei hierfür ein durchschnittlicher Schwerlasttransporter (z.B. aus Polen oder Estland) auf der Fahrt vom südlichen Berliner Ring nach Bayern. Berechnet wird alternativ der Streckenabschnitt von Michendorf (A10) bis zum Schkeuditzer Kreuz (A9)
 
Kostenfaktorenüber Autobahnüber die B2
Fahrstrecke in km126 km131 km
Verbrauch auf 100km28 Liter32 Liter
Dieselpreis je Liter1,15 €1,15 €
ergibt Treibstoffkosten von41 €49 €
+ Maut (0,20 € je km)25 €0 €
ergibt Gesamtkosten von66 €49 €
 
Die Transportkosten sind für die Transportunternehmen - bedingt durch die Maut - bei Nutzung der Autobahn um rund 35% höher als bei Nutzung von Bundesstrassen. Wegen der bestehenden Währungsverhältnisse ist dies insbesondere für Unternehmen aus Osteuropa ein spürbarer Kostenfaktor. Deshalb also fahren so viele Schwerlastfahrzeuge möglichst nicht auf der Autobahn und quälen sich lieber auf der B2 durch Treuenbrietzen.
 
Jetzt erreichte uns in dieser Angelegenheit allerdings eine (mindestens für die Anwohner an der B2) erfreuliche Nachricht:
 
Das Bundeskabinett hat am 15.05.2018 das 5. Bundesfernstraßenmautgesetzes verabschiedet. Damit werden ab dem
01.07.2018
 
alle
rund 52.000 Kilometer Bundesfernstraßen (also auch die B2!!!) für Lkw ab 7,5 t zulässigem Gesamtgewicht mautpflichtig. Für den fiktive Lkw-Fahrer in unserem o.a. Rechenbeispiel erhöhen sich dadurch die Gesamtkosten bei Nutzung der B2 um rd. 26 €. Den Gesamtkosten von 66 € bei Autobahnnutzung stehen dann Gesamtkosten bei Nutzung der B2 in Höhe von 75 € gegenüber. Damit führt ein Ausweichen der Lkw von der Autobahn auf die B2 nicht nur zu einer etwas längeren Fahrzeit, es ist auch mit rd. 15% höheren Kosten verbunden - also gar nicht mehr empfehlenswert. Wir können deshalb berechtigt davon ausgehen, dass es - nach Abschluß der Bauarbeiten an der B2 - ruhiger und damit angenehmer in der Stadt sein wird.
 
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