29.07.2017
 
 
Fabel-haftes
aus unserem Brandenburger Land

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Auf Grund wenig erbaulicher Ereignisse, welche wir hier nicht näher darstellen wollen, stand eines Tages die Frage im Raum, was das wohl für ein Mensch sein mag, der, als Angestellter in einer städtischen Verwaltung tätig, Bürger, welche zur Bautätigkeiten in der Stadt eine kritische Meinung hatten, öffentlich mit tollwütigen Hunden vergleicht und als "Pinscher" bezeichnet?
 
Wir machten uns also an die Arbeit und stießen dabei unerwartet auf eine, schon etwas in Vergessenheit geratene, kleine Geschichte, die man (oder auch Frau) vielleicht so, in früheren Jahren den aufmerksam lauschenden Kindern und/oder Enkeln, erzählt haben könnte:
 
Es gab einmal, in einer kleinen, brandenburgischen Stadt mit historischem Flair, ein geachtetes, privates Bauunternehmen. Nein, es war nicht das Einzige - es gab dort noch mehrere. Trotzdem ernährte auch dieser Betrieb seinen Besitzer und dessen Angestellte schon über viele, viele Jahre, denn gebaut wurde bereits damals reichlich und jener Besitzer war, nicht nur wegen seiner Bodenständigkeit, bei den Bürgern beliebt. Die Auftragsbücher waren voll und es hätte für dieses Unternehmen eine endlose, glückliche Geschichte sein können.
 
Aber bekanntlich ist nichts unendlich. Als der Besitzer des Unternehmens (man spricht von einem bescheidenen, freundlichen Herrn) in die Jahre gekommen war, verspürte er, wie jeder ältere Mensch, den Wunsch, sich langsam zur Ruhe zu setzen. Vom Verkaufserlös seiner kleinen Firma - so dachte er vermutlich - würde er Teile seines Lebensabends gut bestreiten können.
 
Ein Freund hörte davon und überzeugte ihn von einer alternativen Lösung:
 
Dessen Sohn, sein Name soll (wenn wir uns recht erinnern) Theoboy gewesen sein, suchte schon lange eine Arbeit auf diesem Gebiet - und das ganz dringend. Nach dem Studium hatte Theoboy zwar etwa ein Jahr praktisch gearbeitet und in dieser Zeit mit seines Bruders Hilfe ein Haus gebaut, lebte aber seither als inzwischen Langzeit-Arbeitsloser von unterstützenden Maßnahmen der Gesellschaft - also auch von den Steuergeldern der Bürger. Natürlich hat ein solcher Mensch nicht die Taler, um so eine Firma zu kaufen - und sein Vater, der Freund des Firmeninhabers, hatte sie leider auch nicht. Und welche Bank gibt schon einem Langzeitarbeitslosen einen Kredit in der hier erforderlichen Höhe?
 
Aber weil man sich unter Freunden hilft, fand man einen Weg. Die Firma wurde in eine - wie wir heute sagen würden - GmbH umgewandelt und jener Sohn als Geschäftsführer eingesetzt. Aus dem Gewinn der Firma - das könnte der rettende Gedanke gewesen sein - würde dem ehemaligen Besitzer ein kleines Zubrot zur Rente finanziert werden. Also wurde ein entsprechender Gesellschaftsvertrag für eine solche GmbH abgeschlossen und dem frisch gebackenen Geschäftsführer die gesetzlich als Minimum vorgeschriebenen 25.000 Taler als Stammkapital mit auf den Weg gegeben. Der offizielle Start dieser "neuen" Firma erfolgte dann rd. 2 Monate später mit seiner Eintragung in das Handelsregister beim zuständigen Amtsgericht.
 
Dieser Start - so würde man heute sagen - stand unter keinem guten Stern.
Fortsetzung auf Seite 2
 
 
 
 
 
 
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