14.06.2016
Mehr Sicherheit
( geplante Radfahrerführung auf der Berliner Chaussee )"

 
Unter dieser Überschrift erschien in der Zeitung "Blickpunkt", Ausgabe Bad Belzig Nr. 22/2016 eine Darstellung des Herr Beeg, Mitarbeiter im Landesbetrieb für Straßenwesen in Potsdam. In diesem Beitrag vergleicht Herr Beeg mit Bezug auf die hier in Treuenbrietzen geplanten Umbaumaßnahmen an der B2, die seit Jahrzehnten bestehenden „Hochbordradwege“ mit den zukünftig als Ersatz geplanten Schutzstreifen auf der Fahrbahn. Er kam hierbei zu dem für uns unverständlichen Schluß,
 
Schutzstreifen bieten Sicherheit: Fahrradfahrer sind für Autofahrer besser zu sehen, besonders an Kreuzungen, Einmündungen und Zufahrten...
... die Sicherheit auf dem baulich getrennten Radweg ist nach allen Kenntnissen der Verkehrssicherheitsforschung eine vorgetäuschte.

 
Als Beleg für seine Aussage führt er ausgerechnet die Schutzstreifen in der Treuenbrietzener Innenstadt als sinnvolle bauliche Gestaltung mit einem schlüssigen verkehrsplanerischen Konzept an, welche vollständig den aktuellen Erkenntnissen zur Verkehrssicherheit entsprechen würden.
 
Wir können uns zwar nicht so richtig vorstellen, dass eine mit dem Pinsel auf die Straße gemalte, gestrichelte Linie, welche von anderen Verkehrsteilnehmern (z.B. Reisebusse, Landmaschinen oder Schwerlast-Lkw) überfahren werden darf, für den Radfahrer sicherer sein soll, als ein eigener, baulich abgetrennter Radweg. Hier jedenfalls, an der intensiv vom Schwerlastverkehr betroffenen B2 in Treuenbrietzen treffen diese Argumente des Herrn Beeg überhaupt nicht zu.
 
Gegen seine Darstellung spricht bereits, dass sich die bestehenden (von der Verwaltung allerdings kaum gepflegten) Radwege hinsichtlich ihrer Verkehrssicherheit über Jahrzehnte unfallfrei(!) bewährt haben.
 
Auch sein Verweis auf den bestehenden Radfahrer-Schutzstreifen in unserer Altstadt als Muster für die Gewährleistung der Sicherheit für unsere Radfahrer ruft bei uns nur Kopfschütteln hervor. Wer, wie wir die Örtlichkeiten hier in Treuenbrietzen genau kennt und weiß, wie tatsächlich gefährlich der von Herrn Beeg als ach so sicher dargestellte Schutzstreifen in unserer Altstadt für Radfahrer ist, kann überhaupt nicht verstehen, wieso diese, (dort der Örtlichkeit geschuldete) gefahrenträchtige Lösung für die Berliner Chaussee als Vorbild dienen soll, wo doch, in eben dieser Berliner Chaussee aktuell für Radfahrer (von der vernachlässigten Oberfläche des Radweges mal abgesehnen) sicherheitstechnisch geradezu paradiesische Verhältnisse herrschen.
 
Mit seiner Darstellung ignoriert der Vertreter des Landesamtes für Straßenwesen zudem die Erkenntnisse des seit 2006 amtierenden Fahrradbeauftragten der Brandenburgischen Hauptstadt, Axel Dörrie. Auf der Internetseite für zeitgemäßes Radfahren wird die Erkenntnis dieses Fahrradbeauftragten mit den Worten wiedergegeben:
 
"In Potsdam wurden viele Schutzstreifen auf der Fahrbahn markiert ... Eine Vielzahl von Menschen [ist] ungern auf der Fahrbahn mit dem Rad unterwegs. Es mache sie unsicher, und darum vermieden sie das Radfahren. Mittlerweile denken wir ernsthaft wieder über bauliche Radwege nach. Mindestens zwei Meter breit sollen sie sein und an Kreuzungen sicher geführt werden."
 
Interessant ist auch die dort wiedergegebene niederländische Sicht auf den Verkehr. Dort, in der Radfahrer-Hochburg Niederlande sagen die Verkehrsplaner:
Wenn ich Staus reduzieren will, muss ich Radwege bauen.
Wenn nun hier beschlossen wurde, die Radwege in der Berliner Chaussee zu beseitigen, könnte man - im Umkehrschluß zu jener niederländischen Erfahrung - auf die Idee kommen, dass mit den Umbaumaßnahmen Stau auf der B2 erzeugen werden soll (???).
 
Wenn Herr Beeg in seinem Beitrag als Beleg seiner Behauptung anführt, es habe in den zurückliegenden 12 Jahren mit diesen Schutzstreifen in der Treuenbrietzener Innenstadt lediglich einen einzigen Unfall gegeben, übersieht (um es mal höflich zu umschreiben) er geflissentlich, dass die Stadtverwaltung von Treuenbrietzen - nachzulesen in der nachfolgend abgebildeten Vorlage - für den wesentlich kürzeren Zeitraum von 2010 bis 2014 bereits 24 Unfälle mit Personenschaden in diesem Bereich dokumentiert hat. Dort wird zudem aus diesen Unfällen - ebenfalls im Widerspruch zur Erklärung des Herrn Beeg - die nachvollziehbare Feststellung abgeleitet, dass dort wegen des geringen Straßenquerschnittes die Fahrzeuge bei Gegenverkehr in den Schutzstreifen für Radfahrer ausweichen müssen, was eine deutliche Erhöhung der Unfallgefahr bedeutet. - Irgendwie steht diese Feststellung der Stadtverordneten allerdings nicht nur im Widerspruch zur Bewertung durch Herrn Beeg, welcher von einem schlüssigen verkehrsplanerischen Konzept nach aktuellen Erkenntnissen der Verkehrssicherheit spricht, sondern auch dazu, was sie selbst am 14.12.2015 beschlossen haben, nämlich solche Schutzstreifen für Radfahrer auch in der Berliner Chaussee einzurichten, wo durch die zugleich geplanten Mittelinseln der Gegenverkehr zwar wegfällt, die vorhandene, begrenzte Straßenbreite in Verbindung mit dem auf den Brummi-Fahrern lastenden Zeit- und damit Überholungsdruck aber ebenfalls eine erhöhte Unfallgefahr für Radfahrer entsteht.
 

Informationsvorlage zum TOP 12 der Sitzung des Ausschusses für Stadt- und Ortsteilentwicklung vom 22.04.2016
(Bild vergrößern mit Mausklick)
 
Und bei den 24 Unfällen sind nur die Unfälle mit Personenschäden aufgeführt. Selbst einzelne Mitglieder unserer Bürgerinitiative waren in der Innenstadt - z.T. mehrfach - an gefährlichen, rettenden Fahrrad-Ausweichmanövern bis hin zu leichten Kollissionen mit auffahrenden oder zu knapp überholenden Lkw beteiligt. Da hierbei jeweils kein weiterer Schaden entstanden war, wurden diese Unfälle (nicht zuletzt auch wegen des mit einer Anzeige verbundenen Aufwandes) nicht gemeldet.
 
Was den vorgesehenen Wegfall der Radwege betrifft, gehen wir im Zusammenhang mit den geplanten, Überholvorgänge verhindernden Mittelinseln inzwischen auch davon aus, dass diese Beseitigung der Radwege (neben der Einsparung von Kosten ihrer Reparatur) auch dem wenig realistischen Ziel dienen soll, mit Hilfe der doch recht langsam, nun auf der Straße fahrenden Radfahrer den Schwerlastverkehr zu behindern und mit den dadurch zu erwartenden regelmäßigen Verkehrsstaus die 2013 beantragte und bisher noch nicht erfolgte Aufnahme einer Umgehungsstraße in den Bundesverkehrswegeplan zu befördern. Das dies vor allem mit einer extrem erhöhten Unfallgefahr für die als Verkehrsbremse missbrauchten Radfahrer und einer, durch Langsamfahrt/Stau verursachten, erhöhten Abgasbelastung für die Anwohner verbunden ist, scheint die Verantwortlichen nicht sonderlich zu interessieren.
 
In dem Beitrag des Herrn Beeg sehen wir zusammenfassend deshalb einen Versuch, von diesen für die Bürger negativen Folgen mit einer, vom Durchschnittsbürger nicht immer sofort zu durchschauenden, wenig bis unzutreffenden Darstellung abzulenken.   
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